Ein Loop ist ein Schal ohne Anfang und Ende – ein geschlossener Ring, den du einfach über den Kopf ziehst. Kein Wickeln, kein Verrutschen, keine Enden, die im Weg hängen. Genau deshalb ist der Loop (auch Rundschal oder Schlauchschal genannt) eines der beliebtesten kleinen Strickprojekte überhaupt: schnell fertig, jeden Tag tragbar und ein dankbares Geschenk.
Das Schöne daran: Ein Loop ist kaum schwieriger als ein klassischer Schal. Der einzige Unterschied ist die Frage, wie aus dem Strickstück ein Ring wird – und dafür gibt es drei Wege, die wir dir hier zeigen. Dazu alles, was du vorher wissen musst: die richtigen Maße, die Garnwahl, die Garnmenge und die Muster, die in Runden wirklich gut funktionieren.
Loop, Schlauchschal, Möbius – was ist was?
Die Begriffe werden oft durcheinander verwendet, meinen aber nicht ganz dasselbe.
Ein Loop (oder Rundschal) ist ein geschlossener Ring aus Strickstoff. Er kann einlagig sein – dann ist er einfach ein in Runden gestrickter, breiter Schlauch – oder aus einem flach gestrickten Rechteck bestehen, dessen Enden zusammengenäht sind.
Ein Schlauchschal im engeren Sinn ist ein Loop, der als langer, schmaler Schlauch gestrickt wird: Du strickst in Runden mit kleinem Umfang, bis der Schlauch lang genug ist, und verbindest dann Anfang und Ende. Das Ergebnis ist doppellagig – besonders warm, und die Ränder rollen sich nicht.
Ein Möbius ist ein Loop mit einer halben Drehung im Ring. Diese Drehung sorgt dafür, dass der Schal schön am Hals anliegt und sich von selbst vorne „faltet". Der klassische Möbius wird mit einem speziellen Anschlag gestrickt, bei dem du in der Mitte des Strickstücks beginnst und gleichzeitig nach oben und unten arbeitest. Die einfache Variante: ein flach gestricktes Rechteck vor dem Zusammennähen einmal halb verdrehen. Für den Einstieg reicht die einfache Variante völlig.
Die richtigen Maße: einfach oder doppelt gewickelt?
Bevor du Maschen anschlägst, brauchst du eine Entscheidung: Soll der Loop einfach um den Hals liegen oder doppelt gewickelt werden? Davon hängen Umfang und Höhe ab.
Einfacher Loop: Der Ring muss bequem über den Kopf passen und dann locker am Hals liegen. Ein Umfang von etwa 60 bis 75 cm ist ein guter Ausgangspunkt. Bei der Höhe hast du viel Spielraum – von schmalen 20 cm bis zu üppigen 35 cm, die man hochziehen und ins Gesicht kuscheln kann.
Doppelt gewickelter Loop: Hier muss der Ring zweimal um den Hals passen. Bewährt haben sich 130 bis 150 cm Umfang – als Faustregel etwa das Zweieinhalbfache deines Kopfumfangs. Weil zwei Lagen übereinanderliegen, reicht eine Höhe von 20 bis 25 cm, sonst wird es am Hals schnell voluminös.
Wenn du unsicher bist: Nimm ein Maßband oder einen vorhandenen Schal, leg ihn wie gewünscht um den Hals und miss nach. Dein eigener Hals ist die beste Referenz.
Welches Garn für einen Loop?
Ein Loop liegt direkt an Hals und Kinn. Das Garn darf also ruhig weich sein – kratzige Wolle fällt hier schneller auf als bei einem Pullover. Gleichzeitig strickt sich ein Loop in einem etwas dickeren Garn deutlich schneller, und Fehler fallen weniger auf. Für den ersten Loop empfehlen wir deshalb Garne in Worsted- oder Aran-Stärke; DK geht auch, braucht aber mehr Runden. Wie sich die Gewichtsklassen unterscheiden, erklärt unser Artikel Garngewichte erklärt.
Vier Garne aus unserem Sortiment, die sich für einen Loop besonders anbieten:
- Knitting for Olive Heavy Merino – 100 % Merino, non-superwash, Worsted-Stärke mit ca. 125 m pro 50 g und einer empfohlenen Nadelstärke von 4,5 mm. Sehr weich am Hals und in vielen Farben erhältlich. Non-superwash bedeutet Handwäsche – für einen Loop, der selten gewaschen wird, kein Problem.
- Malabrigo Rios – handgefärbtes Superwash-Merino aus Uruguay, Worsted, ca. 192 m pro 100 g, Nadel 4–5 mm. Die changierenden Farben kommen in schlichten Mustern wie kraus rechts oder Rippen besonders gut zur Geltung, und die Superwash-Ausrüstung macht den Loop pflegeleicht.
- Istex Léttlopi – 100 % isländische Schurwolle, Aran, ca. 100 m pro 50 g, Nadel 4–6 mm. Rustikaler und deutlich robuster als Merino, dafür wärmt Lopi wie kaum ein anderes Garn und wird nach dem Waschen dichter und windabweisender. Wer es am Hals lieber sehr weich mag, greift zu Merino; wer einen Loop für Wind und Wetter will, ist hier richtig. Mehr zur Faser in Islandwolle & Lopi.
- Knitting for Olive Soft Silk Mohair – 70 % Kid Mohair, 30 % Maulbeerseide, Lace, ca. 225 m pro 25 g. Nicht solo für den ersten Loop, aber als Beilauffaden zum Heavy Merino ein Klassiker: Das Mohair legt einen weichen Halo über die Maschen, der Loop wird leichter, wärmer und sieht sofort hochwertig aus. Warum diese Kombination so gut funktioniert, liest du in Mohair & Merino kombinieren.
Eine Übersicht weiterer passender Garne findest du in den Kollektionen Worsted, Aran und Merino.
Ein Wort zum Thema Superwash: Ob ein Garn superwash-behandelt ist oder nicht, entscheidet über die Pflege, nicht über die Qualität. Was dahintersteckt, erklären wir in Superwash vs. Non-Superwash.
Wie viel Garn brauche ich?
Das hängt von Umfang, Höhe, Muster und deiner Maschenprobe ab – eine exakte Zahl gibt es also nur für dein konkretes Projekt. Als grobe Orientierung für ein Garn in Worsted-Stärke:
- Einfacher Loop (ca. 65 cm Umfang, 25–30 cm hoch): etwa 200 bis 300 m.
- Doppelt gewickelter Loop (ca. 140 cm Umfang, 20–25 cm hoch): etwa 400 bis 500 m, in Mustern mit viel Struktur (kraus rechts, Patent, Rippen) eher am oberen Ende.
- Doppellagiger Schlauchschal: rechne mit etwa dem Doppelten eines einlagigen Loops gleicher Größe.
Kauf lieber einen Strang mehr als zu wenig – gerade bei handgefärbten Garnen ist derselbe Farbton später nicht immer nachzubekommen. Und wenn du es genau wissen willst, lohnt sich eine Maschenprobe: Warum sich diese 20 Minuten fast immer auszahlen, liest du in Warum diese 20 Minuten dein Projekt retten können.
Drei Wege zum Ring
Weg 1: In Runden stricken (der klassische Loop)
Das ist die eleganteste Methode: keine Naht, kein Zusammennähen. Du schlägst so viele Maschen an, wie dein gewünschter Umfang braucht, schließt zur Runde und strickst in Runden nach oben, bis der Loop hoch genug ist. Dann abketten – fertig.
Dafür brauchst du eine Rundstricknadel, deren Seillänge zum Umfang passt: Für einen einfachen Loop mit 60–75 cm Umfang eine 60er-Nadel, für einen doppelt gewickelten Loop mit 130–150 cm Umfang eine 80er- oder 100er-Nadel. Die Maschen müssen bequem auf dem Seil liegen, ohne sich zu stauchen oder zu spannen. Welche Nadel wann passt, klärt unser Stricknadel-Guide.
Zwei Dinge sind beim Rundenschluss wichtig: Die Anschlagreihe darf beim Schließen nicht verdreht sein (einmal am Seil entlang prüfen, bevor du die erste Runde strickst), und ein Maschenmarkierer am Rundenanfang hilft, den Überblick zu behalten. Beides kennst du vielleicht schon vom Mützenstricken – dort läuft es genauso.
Weg 2: Flach stricken und zusammennähen
Du strickst ein Rechteck in Reihen, wie einen normalen Schal, und nähst am Ende die beiden Schmalseiten zusammen. Vorteil: Du kannst mit zwei geraden Nadeln arbeiten, und jedes Muster, das du in Reihen kannst, funktioniert ohne Umdenken. Nachteil: eine Naht, die man bei dünnen Garnen und schlichten Mustern leicht sieht.
Der Trick für eine fast unsichtbare Verbindung: Beginne mit einem provisorischen Anschlag (mit einem Hilfsfaden), löse ihn am Ende auf und verbinde die offenen Maschen beider Seiten im Maschenstich (Kitchener Stitch). Das ist etwas Fummelei, sieht aber aus wie gestrickt. Wer es einfacher mag, näht die Kanten schlicht im Matratzenstich zusammen – bei kraus rechts oder Rippenmustern fällt die Naht kaum auf.
Und hier kommt der Möbius ins Spiel: Wenn du das Rechteck vor dem Zusammennähen einmal halb verdrehst, entsteht die typische Möbius-Drehung. Der Loop legt sich dadurch von selbst schön um den Hals. Für den ersten Loop ist das eine Frage des Geschmacks – beides funktioniert.
Weg 3: Der doppellagige Schlauchschal
Hier strickst du in Runden, aber mit kleinem Umfang: Der Umfang des Schlauchs entspricht der doppelten Höhe des fertigen Loops (für einen 25 cm hohen Loop also etwa 50 cm Umfang). Dann strickst du den Schlauch in die Länge, bis er dem gewünschten Loop-Umfang entspricht, und verbindest Anfang und Ende.
Das Ergebnis ist zweilagig und dadurch sehr warm und formstabil. Und es hat einen praktischen Bonus: Weil sich die Ränder eines Schlauchs nicht einrollen können, funktioniert hier auch glatt rechts ohne Probleme. Der Preis: etwa die doppelte Garnmenge und mehr Runden. Für die Verbindung nimmst du am besten wieder den provisorischen Anschlag und den Maschenstich, oder du strickst die Enden ganz schlicht zusammen und nähst innen.
Welches Muster für einen Loop?
Beim einlagigen Loop gilt dasselbe wie beim Schal: Glatt rechts rollt sich an den Rändern ein. Das ist beim Loop besonders ärgerlich, weil er am Hals ohnehin in Bewegung ist. Wähle deshalb Muster, die von Natur aus flach liegen – oder fasse die Ränder mit ein paar Runden Rippe oder kraus rechts ein.
Kraus rechts in Runden: abwechselnd eine Runde rechts, eine Runde links. Liegt flach, ist elastisch, sieht beidseitig gleich aus – ideal für den ersten Loop und für changierende, handgefärbte Garne.
Rippenmuster (z. B. 2 rechts, 2 links): Liegt flach, ist herrlich dehnbar und legt sich wunderbar an den Hals. Achte darauf, dass deine Maschenzahl durch 4 teilbar ist, damit das Muster in der Runde aufgeht. Rippen sind auch die richtige Wahl, wenn der Loop hochgezogen als Kragen dienen soll. Mehr dazu in Bündchen stricken.
Perlmuster: Fein strukturiert, liegt flach, sieht beidseitig gleich aus – braucht in Runden allerdings etwas Aufmerksamkeit, weil du die Maschen in jeder Runde versetzen musst. Eine Anleitung findest du in Perlmuster stricken.
Patentmuster: Das Muster für den plüschigen, dicken Loop. Vollpatent braucht mindestens 30–50 % mehr Garn als glatt rechts, dafür bekommst du einen Loop mit unglaublich viel Volumen und Wärme. Wie Vollpatent, Halbpatent und Brioche funktionieren, erklärt Patentmuster stricken.
Wer den Loop als Übungsstück für neue Techniken nutzen will, hat freie Bahn: Ein kleiner Zopf oder ein schmaler Streifen im Norwegermuster sehen auf dem Ring toll aus, und du hast das Ergebnis schnell in der Hand.
Schritt für Schritt: dein erster Loop in Runden
- Entscheiden: einfach oder doppelt. Danach richten sich Umfang, Höhe und Nadellänge.
- Garn und Nadel wählen. Nimm die Nadelstärke vom Etikett als Ausgangspunkt. Zu fest gestrickt wird der Loop steif – im Zweifel eine halbe Nummer dicker.
- Maschenprobe stricken – am besten gleich in Runden oder zumindest im gewählten Muster, weil kraus rechts und Rippen andere Maße ergeben als glatt rechts.
- Maschenzahl berechnen: Maschen pro 10 cm × gewünschter Umfang in cm ÷ 10. Runde auf ein Vielfaches deines Musterrapports (bei 2×2-Rippe: durch 4 teilbar).
- Maschen anschlagen – locker, damit die untere Kante dehnbar bleibt. Welche Anschlagart wann passt, zeigt Maschen anschlagen.
- Zur Runde schließen, dabei sicherstellen, dass der Anschlag nicht verdreht ist. Maschenmarkierer setzen.
- In Runden stricken, bis der Loop die gewünschte Höhe hat.
- Locker abketten. Eine zu feste Abkettkante zieht den Loop oben zusammen. Wie du elastisch abkettest, liest du in Maschen abketten.
- Fäden vernähen und spannen. Ein vorsichtiges Waschen und Spannen lässt das Maschenbild gleichmäßiger wirken. Wie du Wolle richtig wäschst, steht im Pflegeguide.
Fazit: das perfekte Zwischendurch-Projekt
Ein Loop ist schnell gestrickt, verzeiht Ungleichmäßigkeiten, braucht nur ein bis drei Stränge Garn – und wird tatsächlich getragen. Wähle ein weiches Garn in Worsted- oder Aran-Stärke, entscheide dich zwischen einfach und doppelt gewickelt, und strick ihn am besten gleich in Runden: kein Nähen, keine Naht, nichts, was dich vom Loslegen abhält.
Und wenn der erste Loop fertig ist, passt dazu eine Mütze aus demselben Garn – oder du strickst gleich noch einen als Geschenk. Viel Freude beim Stricken!
Weiterlesen:
- Schal stricken: Der einfachste Einstieg
- Mützen stricken: Formen, Konstruktion und Garnwahl
- Stirnband stricken: Anleitung, Garn & Muster für Anfänger
- Garngewichte erklärt: Von Lace bis Bulky
- Mohair & Merino kombinieren
- Stricknadeln: Der vollständige Guide
- Geschenke stricken: Ideen, Garne und alles, was du wissen musst

